Das Aladinprojekt


 

   
Überblick Finanzierung  
Warum „Aladin“? Die ersten Schritte
Unsere Strategie Aladdin in der muslimischen Welt
Struktur Der Weg nach vorn
   

Das Aladinprojekt ist eine unabhängige internationale Organisation mit Sitz in Paris. Die zwanzig Persönlichkeiten seines Verwaltungsrats stammen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Religionen, verbunden durch die Überzeugung, dass die Kraft des Wissens und der Bildung, das Primat der Geschichte und moralischer Werte die Abgründe der Ignoranz, der Vorurteile, des Hasses und der Erinnerungsdivergenzen überbrücken können. Wir sind ebenso überzeugt, dass ein nachhaltiger interkultureller Dialog nur gedeihen kann, wenn er in Frieden mit der Geschichte lebt.

Unser Ziel ist es, harmonische interkulturelle Beziehungen zu fördern, insbesondere zwischen Juden und Muslimen. Wir streben gegenseitige Kenntnis und Verständigung an durch das Produzieren und Übersetzen von Büchern, Spielfilmen, Dokumentarfilmen, Websites und anderen Informationsquellen in den Sprachen der betroffenen Bevölkerungen, sowie anhand von Massenmedien, um diejenigen zu erreichen, die sich nach Frieden und gegenseitigen Respekt sehnen und in diesem Sinne handeln.

Das Aladinprojekt wurde im März 2009 unter der Schirmherrschaft der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) gegründet und wird seitdem von mehr als tausend Intellektuellen, Wissenschaftlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus über 50 Ländern im Nahen Osten, Afrika, Europa und Nordamerika unterstützt,. Eine Reihe von weltweit führenden Persönlichkeiten und internationalen Organisationen, wie die Europäische Union, unterstützen ebenfalls unser Projekt.

Überblick

Das Aladinprojekt findet seinen Ursprung in einem erdrückenden Befund: die Verbreitung der Holocaustleugnung, die von Konflikten im Nahen Osten angefacht wird. Frankreichs Fondation pour la Mémoire de la Shoah (Stiftung für das Gedenken an den Holocaust) rief diese Initiative ins Leben, um dem festgestellten Mangel an objektiven Informationen über den Holocaust in muslimischen Gesellschaften entgegenzutreten, und zwar in den Hauptsprachen der muslimischen Welt – Arabisch, Persisch und Türkisch – weil die Geschichte des Holocausts dort nicht gelehrt wird und generell ein Tabuthema darstellt.

Entschlossen, das „gegenseitige Kennenlernen“ zu fördern, hat Aladin es sich auch zum Ziel gesetzt, die Rolle von muslimischen Herrschern und Bürgern in der Beschützung von Juden während der NS-Schreckensherrschaft hervorzuheben. Der ermutigende Empfang gegenüber Aladins Initiativen, vor allem in der muslimischen Welt, führte das Aladinprojekt dazu, das Spektrum seiner Projekte auf die jahrhundertlange Geschichte der jüdisch-muslimischen Verhältnisse zu erweitern. Gleichzeitig bemüht es sich, verschiedene Möglichkeiten zu nutzen, um die muslimischen Kulturen und Gesellschaften dem westlichen Publikum näher zu bringen und vertraut zu machen.

Warum „Aladin“?

Die Initiative wurde so genannt, weil Aladin, sowohl der Name als auch die Erzählung, in unterschiedlichen Kulturen bekannt ist und geschätzt wird und daher eine interkulturelle Brücke bildet. Aladins Lampe, wie ein Licht in der Dunkelheit, symbolisiert das Wissen inmitten von Obskurität und Ignoranz, sowie den Glauben, dass die wundervolle Kraft des Wissens letztendlich uralte Mythen und Aberglauben zerstören und scheinbar unüberwindliche Hindernisse überbrücken kann.

Die Originalität des Aladinprojekts liegt vor allem in der Art, in der es Menschen  verschiedener Kulturen mit der Geschichte, der Religion und der Kultur der Anderen vertraut macht, und zwar in ihren eigenen Muttersprachen, mit Hilfe von kulturell angepassten Ressourcen und durch den Einsatz moderner Technik.

Aladins Glaubwürdigkeit nährt sich aus Unterstützungserklärungen zahlreicher prominenter Intellektueller und Politiker weltweit, einschließlich vieler aus der muslimischen Welt.

Aladins Fähigkeit, pädagogische und kulturelle Projekte zu verwirklichen,  wird von einem beeindruckenden Netzwerk von Experten, Wissenschaftlern und engagierten Mitgliedern der Zivilgesellschaft in über fünfzig Ländern und verschiedener Religionen und Kulturen gestärkt.

Unsere Strategie

Um Vorurteilen und gegenseitigem Misstrauen in dieser angespannten politischen Atmosphäre vorzubeugen, haben wir eine auf Bildung und Wissensvermittlung ruhende Strategie entwickelt mit konkreten, messbaren Bildungsprojekten (Übersetzungen, Fernkurse, ErzieherInnenausbildung, Sommeruniversitäten…). Wir entwickeln ebenfalls ein internationales Netzwerk von Akademikern, Aktivisten und Lehrern, die uns die notwendigen Rückmeldungen über unsere Aktivitäten und deren Wirkungen vor Ort zukommen lassen.

Struktur

Angesichts des ursprünglichen Erfolges des Aladinprojekts errichteten seine Gründer im Sommer 2009 den Verein des Aladinprojekts, eine gemeinnützige Organisation mit Anne-Marie Revcolevschi als Präsidentin und Serge Klarsfeld als Vizepräsidenten.

Der Verwaltungsrat besteht aus zwanzig Mitgliedern (zehn Männer und zehn Frauen) und wird von einem internationalen Beirat ergänzt, dem Gewissensausschuss, unter Leitung von Jacques Andréani, Botschafter von Frankreich.

Die Kommissionen des Aladinprojekts konzentrieren sich auf spezifische Angelegenheiten und Projekte. Die akademische Kommission zum Beispiel, unter dem Vorsitz von Professors Abou Filaly-Ansary; die Bücherkommission, unter dem Vorsitz von Jean Mouttapa; oder die Kommission für interreligiöse Beziehungen, unter dem gemeinsamen Vorsitz von René Samuel Sirat, ehemaligem Oberrabbiner Frankreichs, und von Aly Elsamman, Vorsitzendem der Internationalen Union für Interkulturellen und Interreligiösen Dialog und Friedenserziehung.

Nach Genehmigung des Verwaltungsrats wird jedes Projekt unter Aufsicht der zuständigen Kommission von einem Projektleiter geführt. Tätigkeits- und Entwicklungsberichte werden dem Verwaltungsrat und den Kommissionen regelmäßig vorgelegt.

Der Exekutivdirektor des Aladinprojekts ist Abe Radkin, ehemaliger Vorsitzender der UK Human Rights Foundation.

Finanzierung

Unsere Fördermittel sind Subventionen von Stiftungen, Regierungen, internationalen Organisationen sowie Unternehmensspenden und private Spenden. Ein Projekt wird finanziert, wenn der Verwaltungsrat der Meinung ist, dass die Perspektiven und Versprechen des vorgeschlagenen Programmes die Ziele des Aladinprojekts erfüllen. Wir wägen ebenfalls ab, ob diese Initiative potenziell von anderen interessierten Organisationen und Personen weiterentwickelt werden kann.

Spender und Geldgeber  erwarten vom Aladinprojekt Spitzenleistungen in der Planung, Steuerung und Evaluierung seiner Projekte, daher sind komplette finanzielle Transparenz  und Rechenschaftspflicht für uns äußerst wichtig. Alle Haushalts-und Finanzfragen des Aladdin-Projekt sind unter der Aufsicht von Hakim El Karoui. Der Verwaltungsrat übt die treuhänderische Kontrolle über die Verwendung aller Mittel. Externe Rechnungsprüfungen werden jährlich durchgeführt.

Die ersten Schritte

Die Verbreitung von Wissen ist der Fokus des Projekts, daher begannen wir mit der Einführung einer mehrsprachigen Website, die historisch genaue Informationen über jüdische Religion, Kultur und Geschichte, insbesondere den Holocaust, auf Arabisch, Persisch und Türkisch sowie Englisch und Französisch zur Verfügung stellt.

Vier wichtige Bücher über den Holocaust - auch Anne Franks Tagebuch und Primo Levis „Ist das ein Mensch (oder Überleben in Auschwitz)“ - wurden zum ersten Mal ins arabische und persische übersetzt.[Unbekannt1]   In einer besonderen Vereinbarung mit den Verlagen stellen wir eine kostenlose Online-Bibliothek zur Verfügung, von der interessierte Nutzer diese und andere Bücher herunterladen können.

Sowohl die mehrsprachige Website als auch die Online-Bibliothek waren erfolgreich:  Besucher aus der ganzen Welt nutzen unser Online-Angebot, unter den Ländern mit den meisten Besuchern sind die Türkei, der Iran, Ägypten, Marokko, Tunesien und Algerien.

Mehr als tausend Intellektuelle, Politiker, Pädagogen und zivilgesellschaftliche Akteure in Europa, dem Nahen Osten und Afrika haben ihre Unterstützung für das Aladinprojekt zum Ausdruck gebracht. Ihre Beteiligung durch Empfehlungen und Feedback zu unseren Intiativen sind uns eine unermeßliche Hilfe bei unseren Bemühungen, kulturelle und sprachliche Barrieren zu überwinden und einen Einfluss auf die Gesellschaft zu haben.

Aladdin in der muslimischen Welt

Mit  Hilfe dieses umfangreichen Netzerkes organisierten das Aladinprojekt und das französische Außenministerium eine Reihe von neuartigen Konferenzen über den Holocaust, genauer über das Werk Primo Levis  „Ist das ein Mensch?“, in zehn nahöstlichen und nordafrikanischen Städten im Winter 2010. Die Lesung Levis und die Konferenzen in Kairo, Istanbul, Bagdad, Tunis, Rabat, Amman, Casablanca, Erbil, Nazareth und Jerusalem boten eine willkommene Gelegenheit zum persönlichen Austausch zwischen Historikern des Holocaust, literarischen Experten und muslimisch-arabischem Publikum. In offenen und respektvollen Debatten wurden ein breites Spektrum an Fragen im Zusammenhang mit den  jüdisch-muslimischen Beziehungen und der muslimischen Rezeption der Holocausgeschichte diskutiert.

Der Weg nach vorn

Die Tatsache, dass die Veranstaltungen und Aktivitäten des Aladinprojekts eine so starke Rezeption in den arabischsprachigen Medien erfahren haben, trägt dazu bei, die Organisation als Austauschplattform für Ideen und  Projekte nachhaltig zu etablieren.

Das beispiellose Maß an Unterstützung, welches das Projekt von Muslimen und Nicht-Muslimen erhalten hat, bietet Aladdin gleichermaßen die Möglichkeit, mit besonderem Fokus auf die jüngeren Generationen, zur Lösung von Konflikten beizutragen. Wir wollen all jenen die Hand reichen, die gegenseitigen Respekt, Gerechtigkeit und Frieden für die Zukunft anstreben.

Unser Weg in die Zukunft wird vom Glauben geprägt, dass der Schlüssel zur Überwindung von Vorurteilen und Stereotypen in der Bildung  und der Vermittung von Wissen liegt. Neben einer Reihe von Projekten, die im Wesentlichen auf die muslimische und arabische Welt ausgerichtet sind, arbeiten wir auch mit einer hohen Zahl von europäischen und abendländischen Institutionen und Universitäten zusammen, um das Wissen über arabische und muslimische Kulturen und Gesellschaften weiter zu verbreiten.