Eine Erinnerungsreise nach Auschwitz


Eine Erinnerungsreise nach Auschwitz

 Gemeinsam mit der Auschwitzüberlebenden Yvette Levy hat Anne-Marie Revcolevschi, die Präsidentin von Aladin, am 7. Februar 2014 eine Delegation von 20 Französinnen in das ehemalige  Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau begleitet. Die Gruppe hat vor der Mauer der Erschossenen einen Aufruf an die Frauen Frankreichs getätigt : «Wir, Französinnen verschiedener Kulturen, Traditionen und Religionen, wir haben uns vor den Ruinen der Gaskammern und Brennöfen von Auschwitz-Birkenau versammelt, um den Frauen und Kindern eine Stimme zu geben, von denen nur Asche bleibt. Wir werden gemahnt, die Shoa nie zu vergessen, und wir sind gekommen, um dem Hass, dem Rassismus, dem Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit ein Ende zu bereiten. Wir wollen der Jugend sagen : Kämpft für das Leben, und sät nie den Tod. An alle Frauen aus Syrien, dem Irak, Sudan, Zentralafrika und Kongo, wir sind Zeugen eures Leides und wir können ihn nicht mit ansehen. Wir rufen euch alle auf, Anführer und Repräsentanten der Gesellschaft : hört auf euch zu bekriegen und stiftet Frieden. Wir stehen hier gemeinsam ein für unseren Willen, dass Frieden, Respekt und Gleichberechtigung herrsche für jeden, heute und in Zukunft, in Frankreich und der Welt. Daran wollen wir teilhaben. » (Verlesen von Anissa Madouri, Juristin)

Diese Reise, die vom Frauenrat des Aladinprojets initiiert und von Samia Essabaa und Suzanne Nakache geleitet wurde, wurde gemeinsam mit dem Mémorial der Shoa organisiert sowie von der Stiftung für die Erinnerung an die Shoa und der Stiftung Seligmann mitfinanziert.

Die Delegation wurde am Flughafen von Krakau von Herrm Thierry Guichaux, dem französischen Generalkonsul, eumpfangen.

Unter den Frauen, die an der Reise teilgenommen haben, waren Sheraz Gasri, diplomatische Rätin vom Frauenrechtsministerium ; Anne-Claire Legendre, Beraterin für Nordafrika und den Mittleren Orient im Außenministerium ; Catherine Pennacchio, Akademikerin, Samira Djouadi, Generalbeauftragte der Stiftung TF1, Majda Cherkaoui, Beauftragte bei l'Acse und die Schriftstellerin Karima Berger.

Der Besuch fing bei der sogenannten « Judenrampe » an, an der die Frauen ein Blumengebinde niederlegten, auf dem zu lesen war : « Nie vergessen, niemals wiederholen »

Im Lager von Birkenau wurden durch die sehr detailreichen Schilderungen der Überlebenden Yvette Levy, die ihre persönlichen Erinnerungen an diesen Ort mit den Anwesenden geteilt hat, viele Emotionen ausgelöst. Die Zuhörerinnen konnten sich anhand der Erzählungen von Frau Levy ihre Erlebnisse bildlich vorstellen : Die Ankunft des Zuges, der Ausstieg und die Auslese auf dem Gleis von Birkenau, sowie den Alltag in den Baracken. Im Anschluss fand die Zeremonie der Besinnung in der Nähe der Brennöfen statt. An diesem Ort, der der größte Friedhof ohne Grabsteine ist, wurde eine Schweigeminute eingelegt. « Dieses Mal hat die Reise eine Besonderheit erfahren, bedingt durch die Aktualität in Frankreich, die uns eine noch schwerer Verantwortung aufbürgt » erläuterte Anne-Marie Revcolevschi während der Zeremonie den Frauen von Aladin und den anwesenden Schülern. « Nachdem ihr das hier gesehen habt, könnt ihr die Wahrheit nie mehr leugnen » ergänzte Yvette Levy.  Bei der Besichtigung vom Lager Auschwitz 1 hatten die Besucher die Möglichkeit, Fotoausstellungen und Ausstellungsobjekte aus dem Besitz der Opfer zu sehen, die von der dunklen Vergangenheit des Ortes zeugen. Die Sicht auf diese persönlichen Gegenstände, vor allem auf Kinderspielzeug, hat die Gräuel dieser Zeit besonders verdeutlicht. Die Tatsache, dass diese emotionalen Momente von den Besuchern verschiedenen Hintergrunds geteilt wurden und dass dadurch während dieser gemeinsam verbrachten Stunden eine bedeutende Solidariät entstand, betont die Wichtigkeit solcher Verbindungsbrücken. So können sich von verschiedenen Gemeinschaften gemeinsame Erinnerungen wie diese an den Holocaust, angeeignet werden.

Am Ende des Aufenthalts war jede der Frauen von der Notwendigkeit überzeugt, gemeinsam zu handeln um den guten Willen aller Seiten zu vereinen. Sie wurden sich bewusst, dass diese Erinnerung von allen geteilt werden muss, dass alle Erwachsenen, Frauen, Männer und vor allem alle Kinder Bescheid wissen müssen, damit diese Erinnerung der gesamten Menschheit vermittelt wird. Für Samia Essabaa war die Reise sehr wichtig : « Es war eine große Bereicherung, diese Reise mit den Frauen vom Aladinprojet zu unternehmen. An diesen Ort zurückzukehren, ehrt die Männer und Frauen, die hier gestorben sind und stellt sicher, dass sie nie vergessen werden können und dürfen. » « Wir haben gemeinsam Erlebnisse geteilt, wir haben gemeinsam geweint. Wir Frauen sind der Bildung verpflichtet. Durch das Wissen um die Anderen können wir gemeinsam dafür kämpen, dass sich so eine Unmenschlichkeit niemals wiederholt. » fasste Suzanne Nakache zusammen.